Hören wir auf, immer zu heulen!

Es ist nicht unbedingt meine Absicht, über die US-Wahl zu diskutieren, aber es regt mich auf, über die teilweise kurzsichtige Sichtweise (Pro oder Kontra) zu lesen. Anfang 2003 war ich in den USA. Ich besuchte dort ein militärisches College der US-Army. Ich musste damals so rasch als möglich die Hauptstadt Washington in Richtung Richmond in Virginia verlassen, da die Sicherheitsstufe als sehr gefährlich eingestuft war. An jeder Ecke befand sich eine militärische Einheit. Das war auch für die Amerikaner eine besondere und ungewohnte Situation. Die Bedrohung im eigenen Land war für sie förmlich spürbar.

Ich respektiere ihre Liebe für den arroganten, sexistischen usw. Trump und für die „machtfreudige“ Politikerin Clinton

Erinnern Sie sich an Bush-Sohn? Ja, sicher! Das war der meistgehasste US-Präsident. Moment, gehasst ja, aber selbstverständlich aus EU-Perspektive. In Amerika stimmte diese Wahrnehmung nicht so ganz. Sorry, wenn ich so brutal die Mainstream-Meinung infrage stelle.

Und jetzt? Oh yeah! Der Donald „make-it“! Sind Sie überrascht? Ach, es hätte auch Clinton sein können, und ich hätte mich trotzdem geäussert. Ja, Trump wirkt nun – wie Busch damals – sehr unsympathisch. Quasi ein Teufel. Was wäre Clinton gewesen? Eine (weisse) Hexe?

Zurück zu Donald. Das Ende der Welt steht uns bevor. Whow, darüber herrscht wohl Einigkeit auf diesem Kontinent. Übrigens, dass die US-Army mehrere Tonnen Munition in Europa neu stationiert hat (The biggest ammo shipment in 20 Years arrives in Germany), gehört noch zur Entscheidung der Obama-Administration. (Somit müssen wir in ein paar Monaten nicht Trump die Schuld zuweisen!) Nun, die demokratischen USA oder besser gesagt das US-Auswahlverfahren hat Trump zum 45. Präsidenten der United States of America gekrönt. Punkt.

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Bild: rappazzo.org

Also: Vorsicht mit dem Verkauf der Bärenhaut, bevor Sie ihn getötet haben. Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, wer von den beiden Kandidaten besser für Amerika und in erster Linie für den Rest der Welt ist. Darüber könnte man lange diskutieren. Die zum Glück nun abgelaufene, viel zu lange Kampagne hatte sicherlich wenig mit Inhalten zu tun. Die meisten Highlights waren schlüpfrige und populistische Äusserungen, meist in destruktiver Form abgegeben. Trump? Clinton? Der Erstgenannte wahrscheinlich ein Gewittersturm, die zweite Wahl ein schwüler Wind. Tja, beide wären unangenehm, es gäbe aber auch „passende Schutzmassnahmen“.

Was hat uns die Geschichte bereits als Vorgeschmack geliefert? Oh ja, als Erinnerung:

  • John F. Kennedy (1961 – 1963, 34 Monate als US-Präsident im Amt): Jawohl, er war sehr beliebt. Am Anfang seiner Präsidentschaft wurde er von der Welt als Leader nicht ganz ernstgenommen, man vertraute mehr seinem Bruder als Berater.
  • Ronald Reagan (1981-1989): Der nicht besonders talentierte Schauspieler war auch ein Aussenseiter, ein Cowboy.

Resultat? Die Geschichte hat etwas anderes gezeigt. Und ja, die Art und Weise der Rhetorik der beiden US-Präsidenten war sicher deutlich besser. Es waren aber auch andere Zeiten. Damals waren die Medien übrigens auch anders, was uns zur nächsten Reflexion führt.

Nun reden wir ganz schnell über die Rolle der Medien. Sind wir ganz sicher, dass die täglichen Bombardierungen mit Nachrichten und Gerüchten ganz neutral und ohne machiavellischen Hintergrund war? Haben die Medien transparent und unparteiisch über alle Seiten der Medaille berichtet? Eine Medaille hat nur zwei Seiten und einen Rand. Es sollte nicht schwierig sein, ausführlich zu orientieren. In den USA und in die EU, klar. Glauben Sie mir nicht? Ok, lesen Sie folgende drei Bücher: „Lo Spin Doctoring: strategie di comunicazione politica“ (Paola Stringa), „All’ombra del potere“ (Marco Cacciotto) und „Gli stregoni della notizia“ (Marcello FOA). Ja, sicher ist sicher, dass nicht sicher ist. Das ist aber die heutige Welt. Information wird immer mehr zur Macht resp. zum Machtinteresse, bei dem jedes Wort genau bemessen ist.

Was ich damit sagen will, ist, dass wir, bevor wir ständig Entscheidungen oder Ergebnisse kritisieren (da sind wir sicher alle Meister), versuchen sollten, den Weg zum Ziel wirklich zu verstehen. Und ja, nicht alle Ergebnisse passen uns. Verstehen müssen wir sie trotzdem. Europa (oder die Schweiz) ist nicht die USA. Zwischen den beiden Kontinenten gibt es nicht nur einen Ozean, sondern auch die mächtige graue Eminenz namens Information (Macht).

Ich respektiere ihre Liebe für den arroganten, sexistischen usw. Trump und für die „machtfreudige“ Politikerin Clinton. Der Gewittersturm kann nun etwas Disruptives verursachen und somit zum Handeln zwingen (was auch immer wir als Handeln verstehen). Der schwüle Wind hätte uns wahrscheinlich auf dem Status-Quo eingesperrt (was auch immer wir unter Status-Quo verstehen wollen).

“One more thing.“ Es gab eine Zeit, in der fast alle ausgewählten Politiker während ihres Mandats in Washington gearbeitet und gelebt haben. Es gab eine Zeit, in der sich die Parteien verständigen konnten. Am Morgen haben die verschiedenen Parteigruppen gegeneinander gekämpft, am Abend fand das Networking statt. Der Kampf wurde in dieser Zeit eingestellt und die persönlichen Beziehungen gepflegt. Man respektiert sich. Man ging zusammen essen. Die Familien der verschiedenen Parteien haben sich besser kennengelernt.

Dann kam die Wende. Die Technologie brachte eine erhöhte Mobilität. Die zunehmend bedeutendere Rolle der Information und die ständige Suche nach Gönnern begrub diesen speziellen Humus bzw. die Plattform des Zusammenlebens.

Heute lebt der Grossteil der Politiker nicht mehr in Washington. Somit entfällt auch das wichtige Prinzip, „in der Krise die Köpfe zu kennen“. Das wäre eine mögliche Erklärung, warum sich heute die Parteien ständig versperren und die Positionen immer mehr verhärtet erscheinen.

Sollte dies auch eine Ermahnung für die kleine Schweiz sein?

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