Kampfkraft generieren

Welche Rolle hat die Militärlogistik? Dienen? Ja sicher. Wofür? Für die Kämpfenden bzw. für die ganze Armee. Ich hoffe, dass wir uns da einig sind. Was bedeutet Kampfkraft generieren?

Ich verwende seit über zehn Jahren den Begriff „Kampfkraft generieren“. Das bedeutet, die Fähigkeit der Logistik, zu jeder Zeit unter erschwerten Bedingungen die Leistungen ihres Portfolios auf Anhieb zu erfüllen. Ist aber meine persönliche Meinung.

Die Rolle der Logistik unter wirtschaftlichen Einflüssen

Zurzeit vergessen wir gerne, dass ein wesentlicher Unterschied zwischen militärischer und ziviler Logistik besteht. Die Armee arbeitet in einem Umfeld, das lebensgefährlich ist. Die zivile Wirtschaft ist auf den Profit ausgerichtet (Pagonis William, Lessons in Leadership and Logistics, 210).

Die Abbildung zeigt das Verhältnis zwischen den wirtschaftlichen Aspekten und der allgemeinen Lage/Umfeld. Dieses Spannungsfeld ist nichts anderes als die neuentdeckte VUCA-Welt. In derselben Abbildung ist das Verhältnis zwischen der Militär- und der zivilen Logistik zu finden. Die aufgezeigte Beziehung soll in keiner Diskussion über die Logistik vergessen werden. Der Grund liegt im Verständnis bezüglich der Wichtigkeit und der Investitionen im Logistikbereich.

ZivMilLog

Spannungsfeld Zivil – Militärlogistik | Quelle: Autor

Das Spannungsfeld besteht darin, welches Risiko der militärische Planer eingehen will, um die Bedürfnisse der Militärlogistik unter Berücksichtigung der betriebswirtschaftlichen Aspekte sicherzustellen. Wenn „Leben und Tod“ ein mögliches ethisches Problem für den Planer darstellt, sollte man sich mit dem folgenden Zitat auseinandersetzen:

Good logistics alone can’t win a war – bad logistics alone can lose it (General Brehon Somervell)

Die Mission soll nicht aus der Augen verloren werden

In einer Zeit, in der die Finanzen immer knapper werden, ist es selbstverständlich logisch, in allen Bereichen zu sparen. Keinesfalls soll aber vom Prinzip „Kampfkraft generieren“ abgewichen werden. Was bedeutet das aber konkret?

“The logistician doesn’t deny Murphy’s Law, but instead tries to quarantine its potential impacts” (Pagonis, 202).

Ich erzähle gerne, dass die Logistik wie ein Virus ist. Ein Virus kann gütig oder bösartig sein. Wenn die Logistik – unser Virus – ausser Kontrolle gerät, vergrössert er sich selbst zum Mammut. Das heisst, dass er beginnt, den Sinn und Zweck zu verlieren und sich als Selbstzweck zu entwickeln. Ähnliche Beispiele finden wir in den grossen öffentlichen Ämtern, in denen die Anzahl der Angestellten übermässig ansteigt. Das liegt klar an der fehlenden Kontrolle und regelmässigen Überprüfung. Das ist auch uns allen klar.

Armee_Logistik

Dieser Artikel würde auf die Armee-Logistik (Juli/August 2016) publiziert (hier download: Armee_Logistik_Kampfkraftgenerieren).

Wir nehmen aber eine andere Betrachtungsweise ein, nämlich die Raison d’être. Unser Streben soll auf dem Erhalt der Kampfkraft der zu bedienenden Truppen liegen. Somit hat jede Logistik einen Auftrag zu erfüllen, der im Gesamtkontext zu verstehen ist. Der Mechaniker repariert, damit die Kampftruppen sicherer verschieben können. Der Sanitäter pflegt, damit der Patient wieder kampffähig ist. Der Truppenkoch kocht, um die Moral und Ernährung der Truppe aufrechtzuerhalten. Das ist nur eine Hand voll praktischer Beispiele. Kampfkraft zu generieren, ist nicht nur eine blosse Erledigung eines Auftrages, sondern das Erfüllen einer Mission, die die Strategie und die Vision verfolgt. Die Einsatzbereitschaft dient im weitesten Sinne für die Sicherheit von Land und Leuten.

Bemerkung:
Der Inhalt diesen Text gibt einerseits nicht unbedingt die Ansichten meines Arbeitgeber oder andere Stellen wieder, anderseits ist dieses Endprodukt das Ergebnis meiner Arbeit.

Beitragsbild: pexels.com | Binyamin Mellish | CCO License
Grafik: rappazzo.org

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