Der Kaderunterricht: mehr als Thema-Inhalt-Ziele

Wie sieht ein zielführender und erfolgreicher Kaderunterricht aus? Die Antwort scheint sehr einfach zu sein: Ein Kaderunterricht braucht ein Thema, ein Ziel und einen Ablauf. Richtig! Leider ist diese Vorgabe heute völlig unbrauchbar.

In jeden Ausbildner sollte kontinuierlich investiert werden

Einen Kaderunterricht vorzubereiten, ist nicht besonders schwierig. Die meisten Organisationen verfügen über ausgezeichnete Prozesse und Infrastrukturen. Der Unterschied liegt in der Sinnvermittlung und in der Qualität des Lehrpersonals. Ein weiterer fordernder Punkt ist, den Lerninhalt im Gesamtsystem zu verstehen.

Unterschieden werden zwei Haupterfolgsfaktoren, nämlich die harten und die weichen Faktoren. Die harten Faktoren sind z.B. die verschiedenen Pläne für Lektionen, die Checklisten (wenn überhaupt notwendig), die Zielformulierung, die Infrastruktur und die reine Anwesenheit der Lehrkörper. Die weiche Faktoren – die entscheidenden – sind die Kenntnisse über die Generationen (Mit wem habe ich es zu tun?) und die Fähigkeiten des Lehrkörpers. Das ist übrigens nur meine Meinung. Im Bereich Leadership gibt es so viele Trainer wie Spieler.

Die meisten Unterrichtsformen befassen sich mustergültig mit Thema, Ziel und Inhalt. Das ist richtig, aber in der heutigen Gesellschaft nicht ausreichend. Die drei Elemente besprechen nur das Was. Es fehlt leider das Warum (Sinnvermittlung) und das Wie (Weg zum Ziel). Wir sprechen vom Goldenen Kreis nach Simon Sinek. Das Warum ist die Kernfrage. Jede Ausbildung sollte sich zuerst mit dem Sinn befassen, dann mit dem Weg zum Ziel, nämlich dem Wie und anschliessend erst mit dem Was.

Die Herausforderung an die Lehrkräfte ist heute massiv gestiegen. Die altbekannte SSEE[1]-Welt ist Vergangenheit. Wir leben heute in der sogenannten VUCA[2]-Welt, in der andere Herausforderungen, Visionen, Understanding, Clarity und Agility herrschen. Diese sind zu berücksichtigen, um in dieser neuen Welt bestehen zu können.

Das bedeutet, dass der Lehrkörper Zeit und Instrumente zur Verfügung haben muss, um sich zielführend vorzubereiten. Gemeint ist, zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen, über ein Thema zu reflektieren, andere Meinungen zu erfahren bzw. externen Personen (aktiv) zuzuhören und Methoden zu hinterfragen. Ein mögliches Instrument, um die weichen Faktoren besser zu berücksichtigen, ist unter anderem die Fähigkeit, das Umfeld bezüglich des Leaderships zu verstehen und die weichen Faktoren (Leadership-Bedürfnispyramide) in objektive Werte umzugestalten.

Glaubwürdigkeit, Vorbildwirkung, Fehler- und Vertrauenskultur sind nur ein paar zwingende Aspekte des heutigen Lehrens

Wie vorher erwähnt, ist jeder Kaderunterricht (auch in der Kaderausbildung) als ein gesamtes System zu verstehen. Das bedeutet, dass der Zeitraum eine Rolle spielt. Die Zeitdimension[3] ist nötig, um mittels verschiedener Instrumente und Methoden die notwendigen Veränderungen an den Ausbildungsbedürfnissen bewältigen können. Ein unverzichtbares Instrument ist der ANP (Aktionsnachbearbeitungsprozess). Diese Aktivität soll künftig eine dominantere und prägnantere Bedeutung erhalten. Ein ANP in fünfzehn Minuten zu erledigen, scheint mir wie das Abarbeiten einer Checkliste. Gemacht ist gemacht. Ein ANP soll ins Gesamtsystem passen und ständig die Einflüsse der VUCA-Welt berücksichtigen.

Auch wenn alle Voraussetzungen geschaffen sind, ist der Ausbildner das Schlüsselelement. Glaubwürdigkeit, Vorbildwirkung, Fehler- und Vertrauenskultur sind nur ein paar zwingende Aspekte des heutigen Lehrens. Unverzichtbar ist jedenfalls eine Investition in Humankapital. In jeden Ausbildner sollte kontinuierlich investiert werden. Die Grundausbildung stellt nicht das Ende einer Vorbereitung dar, sondern den Anfang einer Reise.

Interessant ist auch zu vermerken, dass der hochqualifizierte Ausbildner im Vergleich zu einem weniger qualifizierten Ausbildner nicht erfolgreicher sein muss. Der Ausbildner, der am meisten Empathie und die erwähnten Leadership-Fähigkeiten besitzt, ist sicherlich erfolgreicher als jener, der nur als Maschine wirkt und handelt. Wer nicht bereit ist, sich zu hinterfragen und sich kontinuierlich weiterzubilden, hat in der Ausbildung definitiv nichts zu suchen. Das gilt auch für das häufig missbrauchte Wort Talent. Talente ohne Empathie und „Opferbereitschaft“ sind falsche Investitionen.

Zusammenfassung

Ein guter Kaderunterricht beginnt mit der Sinnvermittlung (Warum), erklärt den Weg zum Ziel (Wie) und beschreibt die Methode (Was). Die Anforderungen an das Leadership im heutigen und morgigen Umfeld (VUCA-Welt) sind ständig zu berücksichtigen und möglichst anzupassen. Zeitdimension, ANP und Investitionen in das Humankapital rahmen den möglichen Erfolg. Der Ausbildner mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten ist somit der Schlüsselerfolg eines Systems. Ausbildner werden durch andere Ausbildner ausgebildet. Somit ist klar, dass die Chefs aller Stufen ein Teil des Problems, aber auch der Lösung sind.

Legende:
[1] SSEE = Stabil – sicher – einfach – eindeutig
[2] VUCA = Volatility – Uncertainty – Complexity – Ambiguity.
[3] Die 5-Zeitdimension = Langfristige Vergangenheit (- 3-5J) – kurzfristige Vergangenheit (- 1-2J) – Fokus (Jetzt) – Kurzfristige Zukunft (+ 1-2J) – Langfristige Zukunft (+ 3j).

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