Jeden Tag mache ich einen Fehler!

Wie viele von Ihnen haben schon den Chef gehört, der Sie auf einen Fehler hinweist? Warum ist es denn wichtig, Fehler zu machen? Die Bosheit, die Ungerechtigkeit und die Heuchelei.

In einem Blog lese ich: „Alle haben wenigstens einmal in ihrem Leben einen Fehler gemacht, alle haben gefehlt – der eine mehr, der andere weniger! Ich frage mich, wie es möglich ist, dass es soviel Bosheit, Ungerechtigkeit und Heuchelei gibt… Könnte man etwas tun, um gegenzusteuern.

Es kommt nicht selten vor, dass ich im Gespräch mit Auszubildenden, Untergebenen, Arbeitskollegen, aber auch Vorgesetzten treuherzig sage, dass kein Tag vergeht, an dem ich nicht einen Fehler gemacht hätte. Sie sollte die oft ungläubigen Gesichter der Menschen sehen! Ich bin dagegen froh, Fehler machen zu können. Wahrscheinlich ist es aus guten Gründen sehr gefährlich, so etwas zu Vorgesetzten zu sagen. Das hängt von der Unternehmenskultur ab. Wenn man das obige Geständnis ohne eine Erklärung belässt, kann es zu Missverständnissen kommen. Fehler zu machen – und hier sei als wichtig unterstrichen, dass alle Fehler ausgenommen sein mögen, die die Sicherheit von Menschen betreffen – ist eine Möglichkeit, dem Einzelnen wie auch der Gemeinschaft Gelegenheit zum wachsen zu geben.

Die Einstellung zur Verhaltensweise ist mehr als ein Gedanke auf dem Papier

Bei meinem Aufenthalt beim amerikanischen Heer, 2003 war das, war eines der vielen Dinge, die ich dort erfahren habe die Klarheit Führungskader, also der Art ihres sich Verhaltens. Anders gesagt: die Einstellung zur eigenen Verhaltensweise. So habe ich mir nachher in meiner Berufskarriere stets auferlegt, über die Prinzipien, nach denen ich leben und die ich verfolgen wollte, nachzudenken, und sie einerseits in Bereich des Möglichen zu bringen und andererseits zu erklären. Natürlich versteckt sich hinter jedem glänzenden Schein die Gefahr „beim Predigen gut und schlecht beim Tun zu sein“. In der Tat sind Feststellungen jeder Art, auch die gut überlegten und verständlich gemachten, zu wenig Nutze, wenn sie nur dazu dienen sich selbst zu beweihräuchern. Die Einstellung zur Verhaltensweise ist mehr als ein Gedanke auf dem Papier. Vielleicht – man könnte wohl sagen, sicher – folgen den Worten meist keine Taten.

Die einzige Möglichkeit einen Guten Job zu machen ist, das was du tust zu lieben

In den Worten von Steve Job finden wir einen Gedanken, der uns helfen kann, den Sinn dieser ersten Überlegungen zu erfassen: „Die einzige Möglichkeit einen Guten Job zu machen ist, das was du tust zu lieben. Wenn du noch nicht das gefunden hast, was für dich taugt, suche weiter, halte nicht ein, und so wie das auch für die Herzensangelegenheiten gilt, wirst du merken, dass du es gefunden hast, sobald es vor dir steht. Und so wie in den großen Liebesgeschichten wird es im Laufe der Jahre immer besser. Fahre deshalb fort zu suchen, bis du es gefunden hast. Begnüge dich nicht. Sei hungrig. Sei verrückt.”

Führen bedeutet auch, seine Arbeit zu lieben und deshalb auch für das wichtigste Gut jeder Firma da zu sein: für die Mitarbeiter. Deshalb ist es wichtig, am Morgen aufstehen zu können und froh darüber zu sein, Fehler zu machen. Denn nur wenn man Fehler macht, kann man sich selber und das Unternehmen besser machen. Deshalb sind wir alle mit dem Sprichwort „irren ist menschlich, im Irrtum verharren aber teuflisch“ einverstanden.

Es ist die Unternehmenskultur, die Authentizität unseres Verhaltens, was den Unterschied macht

Aber einen Fehler zu machen kann uns in ein schlechtes Licht stellen. Die Menschen, die Mitarbeiter, die Vorgesetzten, sie alle können uns verurteilen. Warum also der ganzen Welt verkünden, einen Fehler gemacht zu haben? Es ist die Unternehmenskultur, die Authentizität unseres Verhaltens, was den Unterschied macht. Wem von euch ist es schon passiert, dass ein Kollege oder besser noch ein Vorgesetzter euch oder seinen Mitarbeitern offen sagt: „Also, ich muss zugeben, einen Fehler gemacht zu haben. Ich entschuldige mich.“ Wie vielen? Doch noch wichtiger ist vielleicht: Wie viele von euch, die diesen Text lesen, haben den dafür Zuständigen informiert, einen Fehler gemacht zu haben? Wie viele haben sich entschuldigt? Ich will da niemandem nachschnüffeln, aber wahrscheinlich sind es nicht viele. Die Neue Züricher Zeitung (NZZ) veröffentlich wöchentlich ein „33 Fragen“ genanntes Interview mit Menschen, die dem Management zugehören, und nicht selten kann man dort zwischen den Zeilen – und auch sehr direkt – lesen, wie wichtig es für eine Führungsperson ist, sagen zu können, dass man einen Fehler gemacht hat.

An diesem Punkt wird der Fehler zu einer Gelegenheit des Zusammentreffens und der Diskussion, bei der alle Beteiligten motiviert sind, einen Ausweg mit dem Ziel zu finden, künftig eine Wiederholung des gemachten Fehlers zu vermeiden. Zu wissen, dass man Fehler machen kann, hilft uns, konstruktiver zu sein und verstärkt nach Lösungen zu suchen. Zu wissen, dass wir nicht nur nach unseren Fehlern beurteilt werden, spornt uns an, unsere Messlatte immer höher zu legen.

Es ist nicht leicht zu sagen, dass man einen Fehler gemacht hat

Deshalb bin ich froh, jeden Tag Fehler machen zu können. Diese Behauptung ist ein Schlüsselpunkt meines Denkens. Ich mache kein Geheimnis daraus, sondern es ist im Gegenteil stets ein Anstoß zum Überlegen, das ich allen vermittle, die aus dem einen oder anderen Grund mit mir zu tun haben. Ich kann euch auch versichern, dass kein Tag vergeht, an dem ich nicht einen Fehler mache. Und das Schöne daran? Ich teile es mit. Zuweilen verunsichere ich damit sogar die jeweiligen Vorgesetzten! Doch damit habe ich nicht den Eindruck, schlecht (von den Kollegen und den Mitarbeitern) beurteilt zu werden. Im Gegenteil: damit motiviere ich die Menschen, dasselbe zu tun. Versuchen! Alles leicht? Nein! Manchmal ist es schwer. Ja, auch für mich ist es nicht leicht. Wir müssen uns nichts vormachen: es ist nicht leicht zu sagen, dass man einen Fehler gemacht hat. Nicht jeder ist dazu bereit. Es ist ein schwieriger Weg dorthin. Aber es zu versuchen lohnt sich. Allein der Versuch ist schon ein kleiner Beitrag, in die Schande der Bosheit, der Ungerechtigkeit und der Heuchelei zu verfallen. Aber natürlich sind die Karrieremacher davon ausgenommen (um mit einer polemischen Note zu schließen).

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